Aufklärung warum?

 

Es gibt viele Argumente und einige Zukunftsszenarien die klar für eine Aufklärung der Kinder sprechen, die mit Hilfe einer Eizellspende gezeugt wurden.

DNA-Tests in der Medizin und in der Ahnenforschung sind sehr stark im Kommen und werden in Zukunft zu vielen ungeplanten und von den Eltern ungewollten Zufallsaufklärungen führen.

Was spricht nun dafür mit dem Kind über seine besondere Art der Zeugung zu sprechen?


Aus vielen Erzählungen von zufallsaufgeklärten Kindern nach Gametenspende wissen wir, dass sie sich von den Eltern belogen und hintergangen fühlen und dieses Gefühl schwer für sie wiegt. Ursächlich dabei ist für viele von ihnen weniger die Tatsache, dass sie mit Hilfe einer Eizell- oder Samenspende entstanden sind, als vielmehr der Vertrauensbruch zu Eltern. Die Aussagen der Kinder und Jugendlichen lauten meist: „Hättet ihr mit mir von Anfang an darüber gesprochen, wäre es nicht so schlimm gewesen wie jetzt – jetzt wo ich es auf diese Art und Weise zufällig herausfinden musste“. Diesen Riss in der Familie wieder zu kitten ist für alle Beteiligten keine leichte Aufgabe.




Familiengeheimnisse und ihre Wirkung


Fast alle Familien haben Familiengeheimnisse – größere oder kleinere. Wird dem Kind seine Herkunft z.B. nach Adoption, Gametenspende oder Seitensprung verschwiegen, handelt es sich um ein Familiengeheimnis erster Ordnung (vgl. Bradshaw, J, Goldmann, 2014)

Familiengeheimnisse können für alle Beteiligten negative Folgen haben: Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt, können es aber nicht herausfinden. Eltern leiden unter der Angst vor Aufdeckung und können körperlich und/oder psychisch erkranken.

Das Geheimnis um die Herkunft wirkt also im Untergrund. Kinder mit ihrem sechsten Sinn können die Aufdeckung provozieren und Testballone starten: Im Sexualkundeunterricht wurde erzählt, dass man Kinder besser unter 40 bekommt, weil es später schwierig bis unmöglich wird etc.

Einige zufallsaufgeklärte junge Erwachsene nach Samenspende berichten, dass sie immer gespürt haben, dass sie „anders“ sind. Vermutlich mussten ihre Eltern enorme psychische Energie in die Geheimhaltung stecken, die wiederum zu einer Distanz in der Eltern-Kind-Beziehung geführt hat. Diese Distanz hat das Kind mit feinen Antennen wahrgenommen und sich „anders“ gefühlt.

Vielen Eltern plagt auch ein schlechtes Gewissen wenn sie ihrem Kind seine Herkunft verschweigen. So hat sich eine Mutter, die gemeinsam mit ihrem Mann das Geheimnis für sich bewahren wollte, zwei Jahre nach Geburt umentschieden: „Wenn ich dieses wunderbare Kind anschaue, …..ich kann es doch nicht anlügen“.




Ahnenforschung, Halbgeschwister-und Spendersuche ist DNA-basiert


Schon heute sind weltweit über 15 Millionen Menschen in mehreren großen DNA-Datenbanken registriert, um Vorfahren und weit entfernte Verwandte zu finden – auf der Suche nach ihrem Familienstammbaum. Zum Teil als Hobby, aber auch Männer und Frauen, die mit Gametenspende gezeugt wurden, suchen auf diese Art und Weise ihren Spender / ihre Spenderin und mögliche Halbgeschwister.

Kurioserweise kann es bei der Suche nach dem Spender/der Spenderin auch schon reichen, wenn ein Bruder oder ein Cousin ersten oder zweiten Grades in der DNA-Datenbank mit dabei ist. Das System meldet dann 12,5% oder 25% „matching“. Und wenn dieser Matching-Partner per Email dann noch auskunftsfreudig über den Rest seines Famillienstammbaumes erzählt, kommen dann noch ein, zwei oder drei Personen als Spender in Frage.




Die Zukunft der Medizin ist DNA-basiert


Die DNA-basierte Medizin dagegen steckt noch in ihren rasanten Anfängen. Aus der Krebsmedizin sind sie kaum noch wegzudenken. Die Wahrscheinlichkeit, an bestimmten erblichen Brust-und Darmkrebsarten zu erkranken ist testbar.

Die personalisierte Medizin der Zukunft eröffnet Medizinern völlig neue Möglichkeiten der Risikoeinschätzung, der Vorsorge und der Therapie. Die Zukunft der personalisierten Medizin hängt von zwei Faktoren ab: weitreichender Zugang zu DNA-Tests und weitere Erkenntnisse zur Rolle bestimmter Markergene bei der Entstehung von Krankheiten (vgl. European Patent Office). Vorreiter in Europa ist Estland. Bereits ein Viertel der Bevölkerung ist für eine bessere medizinische Versorgung DNA-typisiert.




Zukunftsszenarien für Familien nach Gametenspende


In wenigen Jahrzehnten wird es in Europa für den Einzelnen immer noch freiwillig, jedoch gesellschaftlich akzeptiert und „modern“ sein, ein medizinisches DNA-Profil zu haben. Das Risikomanagement für die großen Volkskrankheiten wird in die Kindheit und in das frühe Erwachsenenalter verlagert. Es ist äußerst überzeugend, erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen oder übergewichtig zu werden, wenn der persönliche DNA-Test „rot“ anzeigt: Vorsicht erhöhtes genetisches Hintergrundrisiko für koronare Herzerkrankungen! Der junge Erwachsene ist schockiert und bittet auch seine Eltern zum Gentest zu gehen, denn letztendlich kommt die erbliche Belastung von ihnen. Ein Leck in der Datensicherheit oder auch ein komplettes Mis-Match ihrer und der Krankheitsrisiken ihres Kindes könnten dann zur Zufallsaufklärung der Eizellspende führen, mit o.g. Vertrauensbruch als Folge beim Kind. „Ich halte es für hochriskant das Kind nach Eizellspende nicht aufzuklären. Nicht nur aus psychologischen und pädagogischen Gründen. Dazu verstehe ich die Ängste der Eltern zu gut. Die Zeitbombe sind die DNA-Tests, die eine personalisierte Medizin der Zukunft substanziell einfordert, um optimal heilen zu können.“ – Christine Büchl