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Wie finden ausländische Kinderwunschzentren ihre Spenderinnen? Und: Wie werden diese auf ihre "Eignung" überprüft?

Spenderinnen und Klinik finden auf verschiedenen Wegen zusammen


Spenderinnen und Klinik finden auf verschiedenen Wegen zusammen

  • Durch eine Online-Initiativanfrage der potenziellen Spenderin.

  • Durch eine Frau, die selbst schon gespendet hat und eine Freundin, Kollegin oder Bekannte ihrer Wahl vorstellt.

  • Durch Mitarbeiter des Kinderwunschzentrums, die in ihrem privaten Umfeld junge Frauen ansprechen.

  • Durch - sofern gesetzlich erlaubt - Werbung: Die Klinik macht mit Infoständen, Websites und Flyern aufmerksam. In manchen Ländern, in denen die Eizellspende legal ist, bleibt Werbung wegen Kommerzialisierung dennoch verboten.


Grundsätzlich ist es deutlich einfacher, Spenderinnen für eine anonyme Spende zu gewinnen als für eine offene Spende, bei der das Kind später die Möglichkeit hat, seine Herkunft zu erfahren. In Ländern wie Spanien und Tschechien sind anonyme Spenden erlaubt, daher gibt es dort auch kaum Wartezeiten für das Empfängerpaar. In Ländern mit einer verpflichtenden "open-identity-Spende" beträgt der Vorlauf indes oft drei bis neun Monate.




Welches Screening durchläuft die potenzielle Spenderin?


  • Gynäkologische Untersuchung
    Hier werden die Eizellreserve und Hormonwerte untersucht, da sich daraus Rückschlüsse auf die Stimulierbarkeit ziehen lassen.
    Ausgeschlossen werden Frauen mit geringer Eizellreserve („low responder“) und Frauen, die zu einer deutlichen Überstimulation („high responder“) neigen. Letztgenannte könnten bei einer Stimulation körperliche Komplikationen bekommen. Ihnen wird daher von einer Eizellspende explizit abgeraten.

  • Humangenetische Untersuchung
    Hier wird ein sogenanntes Karyogramm erstellt, eine geordnete Darstellung aller Chromosomen einer Zelle. Frauen, deren Ergebnisse auf Chromosomenfehler oder genetische Erkrankungen hinweisen, werden von der Spende ausgeschlossen. In fast allen Ländern ist eine Karyotypisierung von potenziellen Spenderinnen gesetzlich vorgeschrieben.

    Neuere Methoden der genetischen Untersuchung wie Array cgh und NGS (next generation sequencing) werden meist nicht angewandt, da sie zu komplex sind und oft mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Zudem soll hier auch das Recht der potenziellen Spenderin auf genetisches „Nicht-Wissen“ respektiert werden.

  • Infektionsparameter
    Das Transplantationsgesetz (TPG) und die europäische Geweberichtlinie gelten auch für die Eizellspende. Im Vorfeld und auch während der Stimulation werden daher Tests auf HIV-1 und -2, auf Hepatitis B und C sowie auf Syphilis etc. durchgeführt. Nur Frauen, die bei diesen Untersuchungen unauffällig sind, werden angenommen.

  • Familienanamnese
    Hier werden potenzielle Spenderinnen - anhand eines Fragenkatalogs, der sich je nach Zentrum unterscheidet - nach Erkrankungen in ihrer Familie befragt. Mögliche Ausschlusskriterien sind etwa Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in jungen Jahren innerhalb der Kernfamilie. Aber auch andere Krankheiten wie Epilepsie, Suizidalität, Taubheit oder Organerkrankungen spielen eine Rolle.


    Diese Familienanamnese basiert ausschließlich auf Aussagen der befragten Frauen. Weder die Eltern noch die Großeltern werden in das Kinderwunschzentrum einbestellt.




Wie alt ist die (potenzielle) Spenderin?


Kinderwunschzentren, die genügend Anfragen von potenziellen Spenderinnen haben, machen einen "Cut off" bei 30 Jahren - es sei denn, dass zum Beispiel eine 32 Jahre alte Frau bereits zwei Mal ihre Eizellen - erfolgreich - gespendet hat. Erfolgreich bedeutet in diesem Zusammenhang: Es kam infolge der Spende(n) zu einer oder zu mehreren Lebendgeburten. In den meisten Ländern liegt zwar die gesetzliche Altersgrenze für eine Spenderin bei 35 Jahren, aber dieser Spielraum wird so gut wie nie ausgereizt. Der Hauptgrund: Da die weibliche Fruchtbarkeit bereits mit Ende 20 sinkt, ist eine Altersbegrenzung auf maximal 30 eine "Qualitätssicherungsmaßnahme" vonseiten der Kliniken: Nur so können hohe Schwangerschaftsraten erreicht werden - und die wiederum sprechen sich herum, insbesondere in einschlägigen Online-Foren. Indirekt ist das somit eine Werbung für das Zentrum.

Grund für diese "harte Grenze" ist die bei Frauen altersabhängige Aneuploidie. Dabei handelt es sich um zufällige, neu entstandene Chromosomenfehlverteilungen in der Eizelle - je älter, umso höher die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens. Ist die Eizelle genetisch defekt, entwickelt sich der Embryo schlecht: Er nistet sich nicht ein oder es kommt zu einer frühen Fehlgeburt.




Zusätzliche Tests und Untersuchungen


Es gibt Kinderwunschzentren im Ausland, die noch weitere Tests bei potenziellen Spenderinnen durchführen (nach nationaler Gesetzgebung sind sie auch oft dazu verpflichtet).

  • Test auf 350 – 600 einzelne fertilitätsrelevante Gene

  • Psychologische Eignung
    Eine potenzielle Spenderin soll befähigt werden, die Tragweite ihrer Entscheidung richtig einzuschätzen. Frauen mit narzisstischen und ausschließlich finanziellen Motiven werden ausgeschlossen. Das gilt ebenso für Bewerberinnen, die „mein Kind“ sagen, wenn es um die Eizellspende geht. Soweit die Theorie. In der Praxis sind solche psychologischen Tests aber oft nur schriftlich und standardisiert; das Gespräch mit einer Psychologin hat indes vor allem aufklärenden Charakter.

  • Drogentests
    Tests auf den Konsum gängiger Drogen sind in den Kinderwunschzentren, die Eizellspenden anbieten, immer häufiger. Allerdings sind moderne Drogen und Amphetamine maximal einige Tage im Blut und im Urin nachweisbar; manche nur 24 Stunden. Leichter und länger ist letztlich nur der Konsum von Cannabis feststellbar.

  • Beobachtung von Auffälligkeiten im Kontakt mit potenziellen Spenderinnen
    Bis Bewerberinnen auch tatsächlich ihre Eizellen spenden, haben sie mehrere Termine im Kinderwunschzentrum absolviert. Dabei werden sie - wie unten beschrieben - vom Team auf Zuverlässigkeit und Cleverness getestet. Bei kleinsten Zweifeln wird klinikintern diskutiert, ob diese Frauen wirklich als Spenderinnen geeignet sind.