Die Behandlung der Spenderin

 

Im frischen Behandlungszyklus selbst gibt es zwei Patientinnen: die Spenderin und die Empfängerin. Beide brauchen jeweils einen optimalen Zeitpunkt für die Eizellentnahme bzw. für den Embryonentransfer. Oberstes Ziel für die Spenderin ist, dass ihre Behandlung möglichst nebenwirkungsarm erfolgt. Oberstes Ziel für die Empfängerin ist, zum richtigen Zeitpunkt empfängnisbereit zu sein.


Im frischen Zyklus wartet die Empfängerin auf die Spenderin, denn die Empfängerin kann ca. zwei bis drei Wochen „empfängnisbereit“ gehalten werden. Irgendwann in diesem Zeitraum fällt die Punktion der Spenderin und das fünftägige Programm des Embryos im IVF-Labor beginnt. Ob der Embryonentransfer jetzt am Zyklustag 18 oder 27 der Empfängerin stattfindet spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist einzig und allein, dass der Eintritt der Empfängerin in die zweite Zyklusphase kontrolliert etwa fünf Tage vor dem Embryonentransfer erfolgt.

Die einzelnen Schritte für die Spenderin


1. Eine Eizellspenderin wird meist im Antagonisten-Protokoll stimuliert, d.h. sie beginnt an Tag zwei ihres Zyklus mit täglichen FSH-Spritzen und spritzt ab Tag fünf oder sechs der FSH-Stimulation zusätzlich einen „Gegenspieler“, damit ihr Eisprung nicht unkontrolliert eintritt. Die Spenderin erhält wie jede andere IVF-Patientin eine genaue Anleitung wie und wann sie sich in die Bauchfalte spritzen muss. 2. Die Stimulation dauert ist in der Regel acht bis zehn Tage. Mit Ultraschall wird in diesem Zeitraum ca. zwei Mal die Eizellreifung überprüft. 3. Haben die Eizellen die nötige Größe erreicht, wird der Eisprung mit einem Medikament ausgelöst, dass 36 Stunden später die Eizellen löst und gleichzeitig eine Überstimulation verhindert. Da die Empfängerin keinen Embryonentransfer haben wird, geht es bei der Mittelwahl für die Auslösespritze nur um den Schutz der Spenderin. Einnistungsbedingungen können völlig außer Acht gelassen werden. 4. Die Eizellentnahme erfolgt unter Kurznarkose und dauert etwa 10 Minuten. Im Aufwachraum wird die Spenderin im Anschluss etwa zwei Stunden medizinisch überwacht.
5. Einige Zeit nach der Punktion erfolgt eine gynäkologische Kontrolluntersuchung.
Ca. zwei Wochen später hat die Spenderin dann ihre Blutung und ihr eigener Zyklus beginnt neu. Seriöse Kinderwunschzentren im Ausland lassen eine junge Frau nicht öfter als drei Mal Eizellen spenden. Jedoch kann die Praxis mangels Meldepflicht nicht ausschließen, dass eine Spenderin in einem anderen Zentrum noch ein viertes oder fünftes Mal spendet.




Stimulationsabbruch bei Problemen als Schutz für die Spenderin


Bei allen (jungen wie älteren) Eizellspenderinnen laufen 5-10% aller Zyklen suboptimal. Zum einen kann die Spenderin schlecht auf die Medikamente ansprechen und es wachsen nur wenige Eizellen. Wenn die Empfängerin ihre Synchronisation nicht abbrechen will, greift der behandelnde Arzt dann auf Eizellen aus seiner Eizellbank zurück.
Zum anderen kann eine unvorhergesehene Überstimulation mit über 20 Eizellen passieren. Dann wird die Behandlung zum Schutz der jungen Frau meist abgebrochen. Oftmals greift hier eine soziale Kontrolle durchs Internet, denn kein Kinderwunschzentrum möchte, dass eine junge Spenderin von ihren Beschwerden nach Überstimulation in den einschlägigen Foren schreibt.
Vierzig Jahre nach Geburt des ersten IVF-Kindes ist die IVF-Methode eine hochsichere Behandlung geworden – gleichwohl gibt es Unvorhersehbarkeiten. Dies gilt für Kinderwunschfrauen im eigenen Zyklus ebenso wie für Eizellspenderinnen ohne Embryonentransfer.