Business

 

Wie (fast) überall in der Medizin ist auch bei Kinderwunschzentren ein Business mit seinen eigenen Regeln, Kostenrechnungen und Gewinnorientierungen entstanden. Das ist prinzipiell nichts verwerflich, denn allein die  Einrichtung eines IVF-Labors kostet eine halbe bis eine Million Euro und Kinderwunschbehandlung ist extrem personal- und kostenintensiv.

Wohin geht der Trend?


National und international lassen sich folgende Trends erkennen:

  • Abkehr von inhabergeführten Kinderwunschpraxen

  • Renommierte Zentren werden von Investorengruppen gekauft und konzentriert

  • Diagnostik, Gespräche und niedriginvasive Behandlungen werden nicht kostendeckend honoriert und rechnen sich nur als Zubringer zu IVF / ICSI

Gleichzeitig steigt die Nachfrage: Ein stark wachsender Markt im Kinderwunschbereich sind Frauen und Paare mit „special needs“, wie z.B. Eizellspenden, gleichgeschlechtliche Paare, Solo-Mütter und Paare die Präimplantationsdiagnostik benötigen. Aufgrund unterschiedlicher Gesetzeslagen in Europa kommt auch ein sog. „reproduktives Reisen“ ins Ausland immer häufiger vor, insbesondere nach Spanien und Tschechien.

Mittlerweile wittern branchenfremde Investorengruppen ein lukratives Geschäft und kaufen im Ausland neben Reha- und Zahnkliniken nun auch langjährig etablierte Kinderwunschzentren auf. Jüngere Ärzte gründen ihr eigenes Eizellspenden-Zentrum nachdem sie zwei bis drei Jahre das Metier erlernt haben (sog. split-offs). Und wiederum andere haben das Ziel, die Punktionszahlen sehr schnell hochzufahren um die Praxis dann gewinnbringend zu verkaufen. Nach Praxisverkäufen kündigen häufig Mitarbeiter – z.T. in zentralen Positionen.

Vor diesem Hintergrund haben sich verschiedene Geschäftsmodelle entwickelt. Eizellspende ist nicht gleich Eizellspende. Fakt ist: Die Preise für die Behandlung und die Spende sind in den letzten 10 Jahren kaum gestiegen. Dafür ist die Eizellanzahl, die pro Behandlungszyklus für die Empfängerin an den Start gehen, meist gesunken. „Wie viele Eizellen bekomme ich für mein Geld?“ ist somit die zentrale Frage um ausländische IVF-Zentren miteinander vergleichen zu können.




Politische Hintergründe


Ursache für das transnationale Reisen ist die ungleiche Gesetzeslage in Europa. Ist der Kinderwunsch unstillbar, verschieben sich Grenzen im wahrsten Sinn des Wortes.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat für seine Entscheidung vom 3.11.2011 in einer Bestandsaufnahme festgestellt, dass die Spende von Eizellen in den meisten der 47 Staaten des Europarats legal ist. Mittlerweile haben Österreich und Italien ihre nationalen Gesetze entsprechend geändert und erlauben Eizellspende.

Die Schweiz ist in Bewegung.

Ein restriktives Festhalten an der bisherigen Gesetzeslage ist in Deutschland und Irland feststellbar. Patientinnen aus diesen beiden Ländern sind somit eine wichtige und langfristig interessante Zielgruppe der Eizellspendenzentren.

Beweglich zu diesem Themengebiet zeigt sich der Europarat. 2018 gab er eine kritisch-positive Broschüre für Eizellspenderinnen heraus. Junge Frauen, die diesen Schritt in Erwägung ziehen, werden darin umfassend medizinisch und psychosozial informiert.




Fragen stellen


Es schadet nicht, auf diesem Business- Ohr hellhörig zu sein und weitere Fragen (Musterfragen) zu stellen:

  • Wem gehört das Kinderwunschzentrum?
  • Woher kommen die Eizellen für die gewünschte Eizellspende (Transparenz der Herkunft)?
  • Wie viele Tag 3 oder Tag 5 Embryonen werden garantiert?