Fresh or frozen?

 

Im Vorfeld der Eizellspende beschäftigen sich Kinderwunschpaare mit vielen wichtigen Detailfragen. Eine wesentliche Entscheidung nach der anderen muss gefällt werden. Vor allem diejenige, ob sie besser Eizellen aus einer frischen Stimulation der Spenderin verwenden oder kryokonservierte aus einer Eizellbank.

Auswertungen der Ergebnisse von großen IVF-Zentren mit Top-Laboren im Ausland, die sowohl mit Frischzyklen als auch mit kryokonservierten Spendereizellen arbeiten, zeigen: Bei beiden Verfahren ist die Schwangerschaftsrate in IVF-Zentren vergleichbar positiv.

Es kommt daher weniger auf die Methode, sondern viel mehr auf die langjährige professionelle Erfahrung und Qualität des IVF-Teams an.
Auch die Laborausstattung und -kapazität spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Beide Methoden haben Vor- und Nachteile, so dass sich die Empfängerpaare eher an persönlichen Präferenzen orientieren müssen.

Die Methode des Frischzyklus


  • Die Herkunft der Eizellen ist transparenter. Fünf Tage vor dem Embryoentransfer an eine Empfängerin wurde hier vor Ort eine Spenderin punktiert. Es sind im Regelfall keine „internationalen Spenderinnen“ bzw. Eizellen mit unbekannter Herkunft. Einem möglichen Eizellhandel wird kein Vorschub geleistet.
  • Ein evtl. doppeltes Einfrieren wird vermieden. Zuerst war die Eizelle tiefgefroren, dann werden womöglich überzählige Blastozysten kryokonserviert.
  • Es gibt noch keine Langzeituntersuchungen ob Vitrifikation einen Einfluss auf die Genexpression des daraus entstehenden Menschen hat (Imprintingdefekt). Qualifizierte Aussagen darüber sind unmöglich, denn dazu ist die circa fünfzehnjährige Methode noch zu jung.




Die Methode eines Zykluses mit kryokonservierten Eizellen


Die Auswahl an Spenderinnen ist größer. Das Matching kann insbesondere in IVF-Zentren mit großen Eizellbanken relativ differenziert erfolgen.

  • Die Anzahl der Eizellen, die mit dem Sperma des Partners befruchtet werden und in die Kultur gehen, ist planbar. Eingefroren werden nur reife Oozyten in Metaphase zwei. Unreife Eizellen, die bei Frischzyklen immer wieder vorkommen, werden nicht für die Vitrifikation genommen. Üblichicherweise werden bei Eizellbanken im Anschluss an das Einfrieren vier bis sechs Eizellen für die Empfängerin aufgetaut, was sich in einem Preisunterschied bemerkbar macht.
  • Der Zeitpunkt für den Embryonentransfer ist auf den Tag genau planbar. Dabei wird die Empfängerin empfängnisbereit gehalten und kurz vor oder am Tag des Auftauens mit Progesterongaben in die zweite Zyklusphase gebracht. So wird Stress für die Empfängerin vermieden und das IVF-Zentrum hat geregelte Arbeitszeiten.
„Ich gehe davon aus, dass bei Eizellbanken die Eizellen aus einer Stimulation auf zwei Empfängerinnen verteilt werden. Das deutsche IVF-Register weist 2017 bei über 60.000 homologen Behandlungen pro Jahr in Deutschland eine durchschnittliche Anzahl von 9,6 Eizellen pro Punktion aus. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt dabei bei über 35 Jahren.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass Spenderinnen in dem Alter bei einer moderaten Stimulation vier bis sechs Eizellen produzieren.
Geht ein Frischzyklus „schief“, d.h. entwickelt die Spenderin zu wenig Eizellen, wird entweder abgebrochen oder die Empfängerin erhält aus einer hauseigenen kleinen Reserveeizellbank noch Eizellen hinzu, so dass auch sie auf sechs Zellen kommt die an den Start gehen. In diesem Fall sind die Eizellen von zwei verschiedenen Spenderinnen. Im bestmöglichsten Fall erhält die Empfängerin bei Frischzyklen 10-12 Eizellen – je nach „Verteilungspolitik“ des Zentrums. Ich kenne einige Frauen, die daraus zwei Kinder nacheinander bekommen haben. Diese Kinder sind dann genetisch 100% miteinander verwandt“ – Christine Büchl Die richtigen Fragen an das IVF-Zentrum Ihrer Wahl:
  • „Wie viele Eizellen tauen Sie auf (Eizellbank)?“
  • „Wie viele Eizellen bekommen wir, wenn die Spenderin sehr viel oder sehr wenig Eizellen hat (Frischzyklus)?“




Wie funktioniert Vitrifikation für Eizellen und Blastozysten?


Vitrifikation ist die Kryokonservierungsmethode der Wahl für unbefruchtete Eizellen und für Blastozysten.

Die Eizelle kommt nacheinander in drei sog. „Kryopuffer“. Im ersten bleibt sie ca. 12 Minuten, in den zwei weiteren jeweils weniger als eine Minute. Mit aufsteigender Tendenz wird dabei der Kryoprotector DMSO (Dimethylsulfoxid) eingeschleust. Über Osmose geht das Mittel in die gesamte Zelle und in jeden Zellzwischenraum, so dass die Eizelle letztendlich damit vollgesogen ist. Danach kommt die Eizelle in Handarbeit blitzschnell auf einen Spatel und wird sofort bei -196 Grad in Flüssigstickstoff eintaucht. Unter Stickstoff kommt sie mitsamt Spatel in den vornummerierten Straw – ihrem Lagerplatz. In einer Hülse liegt sie dann in dem Kryolagertank. Beim Auftauen geht das Procedere rückwärts: DMSO wird ausgeschleust und nach und nach durch ein Kulturmedium ersetzt.




Slow Freezing für Spermien


Integraler Bestandteil der Eizellspendenbehandlung ist das Einfrieren der Spermien des Partners. Kinderwunschpaare stellen sich oft die Frage, ob dies schädlich ist.

Die Antwort darauf lautet eindeutig „nein“. Seit über 70 Jahren werden Spermien werden im „slow freezing“-Verfahren eingefroren und es sind keine Spätschäden bekannt. Die Technik hat sich dabei stark verbessert und ist zudem schneller geworden.

Die Hauptunterschiede zwischen „Slow Freezing“ und „Vitrifikation“ sind wie folgt:

  • Das verwendete Mittel ist ein anderes – nämlich Propandiol. Dieses ist für Langzeitlagerung erprobt.
  • Das verwendete Propandiol-Volumen ist viel größer als die DMSO-Menge bei der Vitrifikation. Die Spermien können sozusagen darin baden.
  • Gerätegesteuert werden die aufbereiteten Spermien in ihrem Straw kontinuierlich auf – 192 Grad heruntergekühlt.
Slow-Freezing wird vor allem für die von Natur aus kompakten Spermien und für Vorkernstadien von Embryonen (PN-Zellen) genutzt.
Zusammengefasst spricht alles dafür, dass beim Erstgespräch im ausländischen IVF-Zentrum gleich die Spermien des Partners mit tiefgefroren werden. Dies erspart die Anreise des Mannes am Punktionstag der Spenderin bzw. am Auftautag der Oozyte.
Die Wahl der Eizellspenden-Methode, ob „fresh“ oder „frozen“, kann jedes Empfängerpaar individuell entscheiden. Gute IVF-Zentren haben beides im Programm. Sie „steuern“ die Entscheidung des Paares nicht vor dem Hintergrund der effizienten Praxisorganisation, sondern stellen sich auf die Bedürfnisse des jeweiligen Paares ein und beraten ausgiebig