Genetik und Epigenetik

Grundbegriffe zum Verständnis


Menschen haben 23 Chromosomenpaare. Ein Teil der Paare wird von der Mutter, das andere Teil vom Vater vererbt.

  • In diesen Chromosomen ist die DNA mit 25.000 – 40.000 Genen verpackt. Über die genaue Anzahl ist sich die Wissenschaft nicht einig.

  • Die DNA besteht aus drei Milliarden Basenpaaren, die mit den Buchstaben A, G, C, T benannt werden. Die Buchstaben stehen für Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin. Dazu kommen noch Zucker und Phosphat.

  • Circa 600.000 dieser drei Milliarden Basen sind in ihrer Buchstabenabfolge individuell codiert und machen die sichtbaren Unterschiede zwischen Menschen aus. Sie heißen SNPs (single nucleotide polymorphism) – gesprochen „snips“.

  • Um den Verwandtschaftsgrad oder individuelle Unterschiede zwischen zwei Menschen festzustellen, werden die Übereinstimmungen der SNPs bestimmt.

Die humangenetische Untersuchung, die viele Kinderwunschpaare durchlaufen, untersucht die Ebene der Chromosomen. Strukturelle Einbrüche oder Verdoppelungen des Genoms werden damit nicht erfasst. Diese werden erst im konkreten Verdachtsfall analysiert.





Was wird alles vererbt?

 

Wir stehen am Anfang einer Zeit in der mehr und mehr Gene genauen Merkmalen zugeordnet werden können. Die Wissenschaftler verstehen dabei noch lange nicht alles, vor allem wenn es sich um komplexe Genkaskaden wie z.B. der Intelligenz handelt.

Das Pendel der alten Anlage-/Umwelt-  bzw. nature/nurture-Diskussion wie es im Englischen heißt, schlägt aktuell in Richtung Genetik aus.

Intelligenz wird zu 50-80% vererbt.

Unter Intelligenz versteht man logisches Denken, Sprachverständnis, Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und räumliches Denken.

 

Im Kindesalter kann durch optimale Förderung  der IQ erhöht werden.

Im Erwachsenenalter pendelt sich der IQ auf das genetisch mitbedingte Niveau ein. Ein möglicher Vorsprung aus der Kindheit verliert sich wieder.

Intelligenz ist multigenetisch. Geschätzte 4-7% aller beteiligten Genkomplexe sind bisher bekannt.

Augenfarbe:  Die dunkle Augenfarbe wird dominant vererbt.

Tragen aber z.B. beide Eltern rezessiv die Gene für eine helle Augenfarbe in sich, dann treffen sich diese mit 25%-iger Wahrscheinlichkeit und die Augenfarbe des Kindes wird hell.

 

Haarfarbe: dunkel und rot sind dominant gegenüber hellen Haarfarben.

Mischen sich die Haarfarben der Eltern, entsteht hellbraun und aschblond

Locken vererben sich zu 90%.

 

Der Körperbau ist erblich.

 

 

Erkrankungen mit genetischem Anteil sind u.a. Bluthockdruck, koronare Herzerkrankung, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, bestimmte Krebsarten und Arthritis.

 

Auch seltene neurologische Erkrankungen und seltene Organerkrankungen gehören dazu.

 

Mit dem sog. NGS Multipanel (next generation sequencing) können heute einige unerklärte Syndrome genetisch zugeordnet werden.

 

 

Temperament, Ängstlichkeit, Verträglichkeit und Aggressivität haben genetische Faktoren. Die Affektregulation – der Umgang des einzelnen Menschen mit seinem Temperament – ist Erziehung.

 

Schizophrenie hat nach Studien mit getrennt aufwachsenden, eineiigen Zwillingen einen 50%-igen Erbanteil. Die Krankheit ist jedoch selten.

 

Auch Sprachtalent bzw. später Spracherwerb (late talkers) hat genetische Mitursachen.

Intelligenz

 

 

 

 

Äußere Merkmale

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesundheitliche Dispositionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Persönlichkeit

Vgl.

Dieter E. Zimmer, Ist Intelligenz erblich? (2012)

Martin Moder, Genpoolparty (2019)

Die Zeit, Nr. 43 / 2018

Die Zeit, Nr. 14/2019

„Eltern“, Ausgabe?, ca. 2017

Epigenetische Prägungen durch die Schwangerschaft


Baby

Was hat das Kind von der Spenderin und was hat es durch mich bzw. durch die Schwangerschaft erworben? Dies ist eine Frage, die sich Kinderwunschpaare häufig stellen. Die detailgenauen Antworten die sich Empfängerinnen nach Eizellspende wünschen, kann die Epigenetik heute noch nicht geben. Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung über diese aus epigenetischer Sicht hochinteressante Familienkonstellation.

Epigenetik ist die Weitergabe erworbener Information ohne die Veränderung der DNA-Sequenz.

Bei einer Eizellspende steuert die Spenderin bekanntermaßen 50% der DNA bei. Informationen, die das Kind hingegen erwirbt, sind z.B. die mütterliche Ernährungssituation und Stress in der Schwangerschaft. Auch der Stoffwechsel einer Schwangeren gibt Information und Prägung an den Fetus weiter. Die vorgeburtliche Situation hinterlässt somit lebenslange Spuren.

Eine weitere epigenetisch hochsensible Phase sind die ersten ein bis zwei Jahre nach Geburt. Die Bindungserfahrung (Urvertrauen versus Vernachlässigung), die ein Kind in dieser Zeit macht, sind mitentscheidend welche Gene an- oder abgeschaltet werden.

Wird das Kind älter, erfolgen weitere epigenetischen Prägungen in der spannenden Zeit der Pubertät.

Zusammengefasst sind Gene nicht so unabänderlich wie bisher angenommen. Gesundheit und Verhalten der Mutter in der Schwangerschaft und ganz besonders die frühe Eltern-Kind-Bindung entscheiden mit über die körperlichen und seelischen Dispositionen eines Kindes. „Gute Gene“ sind also relativ.




Nur ein paar Mausklicks entfernt: DNA-Tests im Ausland bestellen und auswerten


DNA Test

Gentests zur Klärung der Abstammung sind z.B. in Großbritannien und Österreich frei verkäuflich. Hauptzielgruppe sind Männer, die Zweifel an ihrer Vaterschaft haben. Sie kaufen sich das entsprechende Kit in der Apotheke oder im Internet, entnehmen mit einem Stäbchen eine Speichelprobe bei sich und dem Kind, senden beides an das entsprechende Labor zurück und erhalten fünf Tage später ein 99,9% sicheres Ergebnis. Kostenpunkt 150.- 200.-€, alles per Internet und Post regelbar.

Mehr und mehr Menschen, die den Verdacht haben durch einen Seitensprung oder durch Gamentenspende entstanden zu sein, nutzen ebenfalls Gentests zur Klärung ihrer Herkunft. Sie entnehmen bei sich eine Speichelprobe und verwenden für die DNA-Bestimmung ihrer vermuteten Eltern deren Zahnbürsten, Taschentücher oder Kaugummis oder deren Blutspuren und Gläser aus denen diese getrunken haben. Dieses sogenannte „schwer verwertbare“ Material kostet einen kleinen Aufpreis, ist aber genauso aussagefähig wie eine Speichelprobe.

Diese Möglichkeiten machen deutlich, dass es die denkbar schlechteste Idee ist, sein Kind nach Eizellspende nicht aufzuklären. Kinder nehmen bekanntermaßen nicht die Gamentenspende als solche übel, sondern die Tatsache, dass ihnen diese verschwiegen wurde.





Keine Miniversion von einem selbst

 

 

Jedes Kind ist einzigartig.

Jedes Kind ist eine Wundertüte.