Identitätsentwicklung der Kinder

 

„Für mich war es absolut die richtige Entscheidung, aber war es das auch für meine Kinder?“ beschreibt eine Zwillingsmutter nach der Eizellspende ihre Gedanken.

Es gibt keine Studien


Fakt ist, dass es keine Studien zur Identitätsentwicklung von Kindern, die mittels Gametenspende zur Welt gekommen sind, gibt. Wie viele Kinder, die um ihre besondere Entstehungsgeschichte wissen, haben ein Problem damit und wie viele nicht? Welche Auswirkungen haben Samen- und Eizellspende auf die Identitätsentwicklung der Kinder? Die Diskussion im deutschsprachigen Raum ist durch etwa 150 sogenannte „Spenderkinder“ relativ aufgeheizt worden. Sie fordern das Recht auf Kenntnis ihrer Abstammung ein und ihnen ist es zu verdanken, dass die Samenspende in Deutschland heute nicht mehr anonym statt findet. Aber was ist mit den anderen Kindern bzw. heutigen Erwachsenen, die mittels Gametenspende gezeugt wurden? Geschätzt gibt es ca. 110.000 Nachkommen über Samenspenden und etwa 30.000 mit Eizellspenden in Deutschland.

Einzelfallerzählungen beschreiben, dass es auch Kinder gibt, die kein Interesse daran haben, ihre genetischen Wurzeln zu erforschen.

Bleibt also festzuhalten dass wir nur über 0,1% aller so gezeugten Menschen etwas wissen. Über das psychische Wohlergehen der anderen 99,9% sind keine Erkenntnisse vorhanden.




Suche nach Halbgeschwistern


halbgeschwister Das „donor sibleling registry“ in USA ist ein DNA-basiertes Register in dem Kinder, Eltern und z.T. auch Spender registriert sind. Es ist aus einer Privatinitiative entstanden. Online sind 63.000 Personen registriert und bisher wurden fast 17.000 „matches“ – sprich genetische Verwandtschaftsbeziehungen – untereinander gefunden.

Das Geschwister-Register ist deswegen so erfolgreich, da die Kinder gerne Halbgeschwister kennenlernen, um auf diesem Weg etwas über Ähnlichkeiten, Merkmalen und gemeinsame Talente in Erfahrung zu bringen. Die Genanalysen dieser umfangreichen Datenbank machen sogar sogenannte Familienparties von einzelnen Spendern möglich.

Auf Nachkommen, die mittels Eizellspende entstanden sind, ist dieses Geschwistersuchprogramm nur begrenzt übertragbar. Von einem Samenspender können theoretisch Hunderte von Kindern entstehen, auch wenn seriöse Samenbanken die Lebendgeburtenrate pro Spender auf 6-8 Kinder begrenzen. Wenn eine Eizellspenderin dreimal stimuliert und spendet entstehen im besten Fall 4-6 Kinder. Die Matching-Quote wird eher gering ausfallen.

Nichtsdestotrotz sollten sich Eltern nach Eizellspende darauf vorbereiten, dass ihr Sohn oder ihre Tochter auch Halbgeschwister suchen wollen wird. Die internetbasierte Form dieser Suche findet auf immer mehr Zulauf.




Monokausale Erklärung für alle Lebensprobleme?


Manchmal wird das fehlende Wissen um die genetische Herkunft als zentrale Ursache für alle Ängste, Depressionen und Selbstwertprobleme eines so entstandenen Menschen benannt. Sieht man genauer hin, dann gibt es von außen betrachtet gravierende Faktoren, die die psychische Problematik mitbegünstigt haben: Tabus in der Familie, Zufallsaufklärung, unsicher-ambivalente Bindung, Trennung der Eltern und vieles mehr.

Für die generellen Lebensprobleme eines Menschen gibt es keine monokausale Erklärung resultierend aus der Herkunft – auch wenn es noch so schön wäre. Eizellspende ist kein Trauma.

Psychische Auffälligkeiten haben ihre Wurzeln oft in der sozialen Familiendynamik, der das Kind ausgesetzt war: Wie war die Paarentscheidung für die Behandlung mit Eizellspende? Wurden dabei die Grenzen eines der beiden Partner verletzt? Wann und wie wurde das Kind aufgeklärt?

Die meisten Eltern machen heute sehr viel richtig in der Aufklärung und im Umgang mit ihren Kindern nach einer Eizellspende. Und das ist gut so.