Plan B

 

Sind alle medizinischen und therapeutischen Möglichkeiten für ein genetisch leibliches  Kind ausgereizt, hat das Paar fünf Optionen für ihr Leben mit und ohne Kind:

  • Adoption

  • Pflegekind

  • Embryonenspende

  • Kinderlos bleiben

  • oder eben Eizellspende

Adoption


Zur Adoption kommen in Deutschland vor allem Neugeborene. Kinder in einem späteren Alter werden in der Regel als Pflegekinder abgegeben. In Deutschland gibt es pro Jahr ca. 1500 Fremdadoptionen (d.h. ohne Adoptionen durch Stiefeltern). Das Verhältnis von zu vermittelnden Kindern zu Bewerberpaaren beträgt 1:7. Die Altersgrenze beträgt zwischen 40 und 42 Jahre des älteren Partners. Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, dass bei einem Adoptivkind der Medikamenten-Alkohol- und/oder Drogenkonsum der Mutter in der Schwangerschaft unbekannt ist. Handelt es sich um ein Kind mit Migrationshintergrund der Eltern, kann das dazu führen, dass die notarielle Freigabeerklärung des Kindes zumindest von einem Elternteil im Ausland eingeholt werden muss. Auslandsadoptionszahlen sind drastisch auf etwa 600 pro Jahr zurückgegangen. Viele Herkunftsländer haben Vermittlungsprogramme in das Ausland gestoppt. Zur Vermittlung kommen am ehesten noch Kinder mit special needs – also mit besonderem Förder- und Therapiebedarf. Eignungskriterien für die Adoptionsvermittler sind die Qualität der Paarbeziehung, die Verarbeitung der eigenen Kinderlosigkeit und der offene souveräne Umgang beim Thema Aufklärung des Kindes. An Paare die bereits ein leibliches Kind haben wird so gut wie nie ein Adoptivkind vermittelt, da die abgebenden Eltern/Mütter eine Konkurrenzlage der Kinder verhindern möchten.




Pflegekind


Pflegeeltern für kleine und größere Kinder werden gesucht. Bis zum Alter von sieben Jahre sind sie am besten in einer Pflegefamilie aufgehoben. Danach führt der Weg eher in die stationäre Heimunterbringung der Kinder- und Jugendhilfe. Pflegefamilien werden regelmäßig durch das Jugendamt und den Vormund des Kindes besucht. Einen Rechtsanspruch für Pflegeeltern besteht nicht. Konkret: Stabilisieren sich die Verhältnisse der leiblichen Eltern, kann das Familiengericht ihnen ihr Kind auch wieder zusprechen. Die leiblichen Eltern haben auch ein Umgangsrecht für ihr Kind. Konkret: Zweistündige Besuchskontakte finden in etwa alle vier Wochen auf neutralem Boden statt. Pflegefamilien erhalten 750 bis 800 € pro Monat für Unkosten und Aufwendungen. In begründeten Sonderfällen kann dieses Pflegegeld bis zu 1400 € erhöht werden. Die Eignung als Pflegeeltern erfolgt in einem Eignungsgespräch. Wichtig ist, dass das Kinderwunschpaar die Kriterien für die Aufnahme des Kindes ehrlich definiert.




Embryonenspende


Embryonen Aus Sicht des möglicherweise entstehenden Kindes ist es für ein heterosexuelles Paar keine gute Idee ohne Not (=Spermien sind vorhanden) eine Embryonenspende zu verwenden, denn Embryonenspende ist die komplexeste Form der Familienbildung, da vier Personen an der Fortpflanzung bzw. Elternschaft beteiligt sind. Offenheit und die spätere Aufklärung des Kindes sind Voraussetzung bei allen Beteiligten, denn es entstehen hundertprozentige Geschwister, die in zwei Familien aufwachsen. Welcher Embryo den genetisch leiblichen Eltern transferiert wurde und welcher dem Empfängerpaar einer Spende zugeteilt wurde, ist alleinige Entscheidung des IVF-Labors. Die Auswahl zum Embryonentransfer erfolgte zu einem Zeitpunkt als noch nicht feststand dass überzählige Embryonen vorhanden sein und dass diese gespendet werden. In Deutschland ist die Embryonenspende insofern erlaubt, da das Embryonenschutzgesetz sie nicht ausdrücklich verbietet. Die deutschen Kinderwunschzentren sind jedoch noch zurückhaltend in der Anwendung, da die endgültige juristische Klärung zur Zeit noch offen ist. Hinzu kommt, dass die Embryonenspende nicht durch das deutsche Samenspenderegistergesetz geregelt wird. Embryonenspende ist insbesondere in Spanien eine verbreitete Therapieoption. Die dortigen Kliniken haben deshalb auch viele überzählige Embryonen nach Eizellspende kryokonserviert. Das Gesetz 14/2006 regelt deren weitere Verwendung. Konkret: Meldet sich das Kinderwunschpaar, dem die überzähligen Embryonen gehören, nach zwei mal zwei Jahren nicht zurück, werden die Embryonen der Klinik übereignet. Sie dürfen dann für eine Embryonenspende verwendet werden. Das Elternpaar kann die Embryonen auch freiwillig für eine Spende freigegeben.

Hinweis: Aus Sicht des möglichen Kindes ist es keine gute Idee überzählige Embryonen nach Eizellspende „ohne Not“ zu verwenden, denn das Kind entstammt zwei unbekannten genetischen Wurzeln - von einem Mann und von einer Frau, die sich nicht kannten und die kein Paar waren. Embryonenspende bleibt sinnvollerweise älteren Solomüttern und Paaren mit doppelter endgültiger Unfruchtbarkeitsdiagnose vorbehalten.




Kinderlos bleiben


Endgültige Kinderlosigkeit fühlt sich auf Dauer nicht so schlimm an. Die zunächst klaffende innere Wunde wird zu Narbe. Sie bleibt jedoch „wetterfühlig“ - bei kritischen Lebenslagen wird sie wieder spürbar werden. Die endgültige Entscheidung, ein kinderloses Leben zu führen, steht und fällt mit der Qualität der Paarbeziehung. Paare, die sich nahe sind, die sich austauschen und die über eigene Ressourcen verfügen, gelingt eine erfüllte Beziehung auch ohne Kinder. Vor allem Frauen erleben es als hilfreich, wenn ihre Energie in ein Patenkind, in ein soziales Projekt oder in die Betreuung eines jugendlichen Flüchtlings fließen kann.

Endgültiger Kinderlosigkeit geht eine lange Zeit des Fragens voraus. Erfolglos aufhören? ist ein Thema bei dem das Pendel lange hin und her schwingt. Wahlmöglichkeiten und verschiedene Optionen werden abgewogen bis sich letztendlich das Leben, das zu einem passt, herauskristallisiert.