Zukunft

 

Eizellspenderinnen spenden in einer Lebensphase der Großzügigkeit, der Offenheit und der Neugier auf das Leben. Für sie ist es oftmals eine Spende, die irgendwo zwischen Blutspende und kleiner Organspende angesiedelt ist.

Die Frauen wissen nicht, wie sie 20 oder 30 Jahre später ihre Entscheidung zur Spende bewerten werden.

Welche Szenarien sind vorstellbar?

Wie hat sich die eigene Familienplanung bzw. der eigene Kinderwunsch entwickelt?


Es kann sein, dass die Spenderin 20 Jahre später fest liiert ist und selbst zwei Kinder hat, z.B. im Alter von 8 und 11 Jahren. Ihre Kinder sind dann genetische Halbgeschwister mit den Nachkommen aus der Eizellspende von damals. Ein Kontaktwunsch der jugendlichen Nachkommen aus der Eizellspende oder ein Kennenlernen hat umfangreiche Konsequenzen für die eigene Familie der Spenderin. Wie bewerten ihre Kinder die Spende von damals von der sie vermutlich gar nichts wussten? Begrenzt die Spenderin den Kontakt auf eine kurze schriftliche Kommunikation? Reagiert sie gar nicht auf den Kontaktwunsch? Wird sie dann gestalkt? Paradebeispiel der ärztlichen Befürworter der anonymen Spende ist das Szenario, dass die Spenderin später selbst keine eigenen Kinder bekommen hat. Was passiert dann? Steht sie dann nach einer früheren open identity Spende vor der Tür der Eizellspendenfamilie? Gefunden mithilfe neuer Gentests. Trauert die Spenderin ihren genetischen Abkömmlingen nach? In der Logik der Ärzte ist die Familie nach einer anonymen Eizellspende geschützt. Hierbei wird jedoch vergessen, dass sich in Zeiten des DNA-Testings die frühere Anonymität leicht in das Gegenteil verkehren kann. Die Eizellspende ist grundsätzlich ein ergebnisoffener Prozess voller Überraschungen.




Moderne Aufdeckmethoden


DNA Test Nachkommen aus Gametenspende, die den Wunsch haben etwas über ihre genetischen Wurzeln zu erfahren, sind wie 15 Millionen andere Menschen auch in den genetischen Datenbanken mehrerer Anbieter unterwegs. Ein Stäbchen mit Speichelprobe einsenden kostet eine Gebühr zwischen 80.- und 150.- € - erschwinglich für die meisten und schon beginnt die Suche. Nunmehr ist aber davon auszugehen, dass eine junge Spenderin in Spanien, Tschechien oder auch anderen Ländern zum Zeitpunkt ihrer Spende nichts von diesen DNA-Suchmethoden und erst recht nichts von der Größenordnung der Datenbanken weiß. In vielen Fällen würde sie sich nämlich dann ihre Spende zwei Mal überlegen. Die Bereitwilligkeit zu anonymen Spenden ist in diesen Ländern oftmals höher, als zu einer offenen Spende. Ihr ist auch nicht bewusst, dass auch Nichten oder Geschwister, die DNA-basierte Ahnenforschung betreiben, ihr Spenderkind auf ihre Spur führen könnte. Noch bizarrer ist der wachsende Markt von klassischen Detekteien, die sich auf die neue Marktlücke der Spendersuche spezialisieren. Je nachdem, wie die Gesetzeslage in dem jeweiligen Land ist und je nachdem wie lange die Spende zurückliegt, kostet dies den Auftraggeber zwischen 15.000 Euro und 75.000 Euro. Wie dies praktisch und seriös gehen soll bleibt ein Rätsel. Sicherheit gibt es nur, wenn das Dedektivbüro Zugang zu den Matching-Daten des Kinderwunschzentrums hat. In vielen Klinken, die Eizellspenden anbieten, ist die Spenderin-Empfängerin-Zuordnung jedoch wie ein Hochsicherheitstrakt angelegt. Der Arzt und der Biologe sind die einzigen, die das Password dazu haben.




Unfreiwillig geoutet


Die anonyme Spenderin wird über die o.g. dedektivischen Methoden nicht erfreut sein. Auch sie wird sich betrogen fühlen. Dies beeinflusst ihre Reaktion auf den Kontaktwunsch des Kindes voraussichtlich negativ. Den jungen Frauen in Ländern mit nicht-anonymer Spende wird im Vorfeld deutlich gesagt, dass sie einem späteren Kontaktwunsch des Kindes oder der Empfängerin nicht zustimmen müssen. Sie können sich ein Hintertürchen offenhalten. Zumindest sind diese Frauen aber auf eine Kontaktaufnahme vorbereitet und fallen nicht aus allen Wolken, wenn das Kind sich meldet.




Informationen nach der Geburt fehlen


In Australien, Neuseeland und vielleicht auch noch in einigen wenigen anderen Ländern erfährt die Spenderin ob es zu einer Geburt gekommen ist, ob das Kind gesund ist und ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Diese Basisinformationen sind in Europa nicht üblich. Sie sind wichtig, damit die junge Frau ihre Spende psychisch gut abschließen kann. Hierzulande besteht also noch Luft nach oben.