Aufklärung des sozialen Umfelds

 

Während sich die meisten Eltern einig sind, das Kind aufzuklären, bestehen große Unterschiede in der Meinung der Paare ob man Freunde, Verwandte, Lehrer usw. über die besondere Entstehungsgeschichte des Kindes informieren soll.

„It is private but it is not secret“


Es ist privat und persönlich, aber es ist kein Geheimnis. Das ist die wichtigste Botschaft, die Eltern ihrem Kind mit auf den Weg geben sollten. Die Intimität von Zeugung und Familiengründung ist ein schützenswertes Gut. Dem Kind sollte jedoch nicht verboten werden, mit anderen Menschen über die Eizellspende zu reden. Es sollte stolz auf seine Herkunft sein (dürfen) und wissen, wo seine Wurzeln sind. Ein Geheimhaltungsgebot zwischen Eltern und Kind würde bedeuten, dass dieser Art von Zeugung ein Makel anhaftet und aus diesem Defizit heraus entwickelt das Kind sehr sicher Schamgefühle und Identitätsunsicherheiten.

Der Grundsatz „it is private but it is not secret“ bedeutet für Eltern, die ihr Kind natürlicherweise beschützen wollen, eine Überwindung. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Kind anderen Menschen von der Eizellspende erzählt und dabei auf Verständnislosigkeit oder Fragen stößt. Dieses Risiko ist der Preis für ein wunderbar, psychisch stabiles Kind. Die Alternative wäre Nichtaufklärung – und das ist in Zeiten von DNA-Testings, die das Kind später selbst vornehmen lassen kann, ein Himmelfahrtskommando für die Beziehung zwischen Eltern und Kind ebenso, wie für die Psyche des Kindes.

Sollte es dazu kommen, dass Eltern von anderen Personen angesprochen werden, die eine bestimmte Bemerkung des Kindes nicht einordnen können, bleibt der Weg in die Offensive: Selbstbewusst die besondere Zeugung outen, die Dankbarkeit gegenüber der Spenderin ausdrücken und sicher verkünden, dass im Leben immer die Richtigen zusammenkommen – so auch wir und unser Kind. Am Ende des Gespräches steht die Bitte um Vertraulichkeit.




Was macht ein gesetzliches Verbot mit dem Denken der Bevölkerung?


paragraph Schwer zu sagen, ob die Empfehlungen des renommierten britischen Donor-Conception-Networks (der Familienorganisation nach Gametenspende) auf Deutschland übertragbar sind. Das DC-Network schlägt einen selbstverständlichen und selbstbewussten gesellschaftlichen Umgang mit Eizell-, Samen- und Embryonenspende vor. Darunter ist zu verstehen, dass die zukünftigen Eltern dem näheren sozialen Umfeld bereits vor der Zeugung ihr Vorhaben mitteilen. Später informiert die Familie Erzieher und Lehrer, damit diese pädagogisch adäquat reagieren wenn das Kind über die „nice lady“ spricht die zu seinem Entstehen beigetragen hat.

Von diesem wünschenswerten gesellschaftlichen „mind-set“ sind wir in den deutschsprachigen Ländern noch weit entfernt. In Deutschland und in der Schweiz ist und bleibt Eizellspende gesetzlich verboten, in Österreich ist sie zwar erlaubt, aber faktisch kaum durchführbar. Deutschsprachige Paare erzählen oft, dass die spontane Reaktion von Freunden und Familie auf die Eröffnung meist ein überraschtes „Aber das ist doch verboten!“ ist.

Gesetze formen Bewusstsein. Eltern schützen ihr Kind. Deswegen klären hierzulande viele Mütter und Väter das soziale Umfeld sehr wenig darüber auf, wie ihr Kind entstanden ist und wenn, dann eher spät. Daraus entsteht für viele Eltern ein Dilemma: Sie klären ihr Kind zwar auf, erklären seine Entstehung aber als Geheimnis, welches das soziale Umfeld nicht unbedingt kennen sollte. Dieser sogenannte „double bind“ lastet dann auf den Schultern des Kindes und es können Denkmuster entstehen, wie „Ich bin besonders. Ich bin anders. Und ich gehöre nicht dazu.“ Ähnliche Gefühle können beim Kind entstehen, wenn das Kind zwar aufgeklärt ist, aber das soziale Umfeld mit Unverständnis reagiert. Der Unterschied liegt dann nur darin, ob das Thema aus der Familie heraus tabuisiert behandelt wird, oder der Trigger von außen kommt.

Letztendlich muss jede Familie ihren eigenen Umgang mit der Situation, sowie ihre Antworten und Lösungswege auf das Aufklärungsdilemma finden. Wichtig ist aber, dass man sich im Vorfeld sehr genau damit auseinandersetzt und das Kind so gut es geht vorbereitet.